Sexistische Gesetze und archaische Vorurteile verwehren den Damen Saudi-Arabiens den Zugang zu Spielemessen – bis sie einfach selbst eine gründen
Frauen dürfen nicht selbst Auto fahren, brauchen immer einen männlichen Vormund und die öffentliche Vollverschleierung in schwarz ist Gesetz. Wer sich in Saudi-Arabien ohne Y-Chromosom bewegt, dem werden massiv Steine in den Alltagsweg gelegt. Zwar findet diese traditionelle Diskriminierung in der modernen, saudischen Gesellschaft über die Bildung weiblich-männlicher Parallelgesellschaften oft den Weg, trotzdem Konsumgüter an den Mann/die Frau zu bringen, doch gerade in Sachen Gaming scheitert dieses sozialschizophrene Verhalten: Gamingmessen sind reine Machoveranstaltungen. Oder besser: waren.
Denn als passionierte Zockerin konnte die studierte Informatikerin und Marketingfachfrau Tasneem Salim das nicht auf sich sitzen lassen – und gründete im Jahr 2012 kurzerhand mit einer Freundin eine „Girls-Only“-Gamescom. Was als kleine Univeranstaltung begann, entwickelte sich zur festen Größe auf dem arabischen Spielemarkt. Die letzte Ausgabe zog 3000 Besucherinnen an.
Der erfolgreiche Vorstoß in die als Mannerdomäne verschriene Spielebranche war dabei alles andere als ein Zuckerschlecken für das Team um Tasneem. Spielehersteller und -vertreiber mussten erstmal überzeugt werden, dass es so etwas wie zockende Saudi-Araberinnen überhaupt gibt. Und selbstverständlich wurde die Messe reihenweise mit sexistischen Vorurteilen männlicher Spieler konfrontiert. Immer wieder hieß es: „Mädchen sollten nicht Computer spielen!“.
Der Erfolg der Veranstaltungen gab Tasneem und Co. jedoch recht. Die Frauen stockten sogar auf zwei Veranstaltungen pro Jahr auf und entwickelten immer wieder neue Konzepte. So gibt es Shooter- und FIFA-Turniere, Entwicklerworkshops und Cosplayevents. Denn wer sich die Conventions als Messehallen voller schwarzer Burkageister vorstellt, ist schief gewickelt. Das Girls-Only-Konzept der Messe erlaubt es den Frauen, ohne die schwarze Traditionskluft zwischen Assassin’s Creed, Tomb Raider oder Minecraft zu flanieren.
Doch das Gaming ist nicht nur Hobby und Modeschau, sondern gleichzeitig auch ein emanzipatorisches Sprungbrett. Gerade der Remotecharakter des Spieleentwickelns, die Möglichkeit zum Home-Office, ist für die im öffentlichen Arbeitsleben immer wieder gegängelten Frauen besonders attraktiv. Und so erfreuen sich gerade die Developerworkshops hoher Beliebtheit.
Auch das Zocken an sich wird zum Motor für die Gleichberechtigung. Geschichten und Thematiken vieler Spiele eröffnen Blicke in andere Kulturen und das Online-Gaming ermöglicht das Kommunizieren mit der weltweiten Community. Dabei stellt die internationale Spielerschaft, mit der sich die saudischen Mädels am Bildschirm balgen, dann verblüfft fest, dass die Kultur und der Onlinezugang keine Einbahnstraße sind. Denn die beliebtesten Spiele auf der Convention sind FIFA und CoD. Und so dürfte auch der ein oder andere deutsche Spielerhengst schon eine vernichtende Niederlage gegen die saudischen Zockermädels eingesteckt haben.
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Fotos: Ashwag Bandar; fluter.de

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