Capcom bringt mit Resident Evil Requiem den neuesten Teil der langlebigen Horror-Reihe auf den Markt. Erfüllt das Spiel die Erwartungen? Hier unsere Meinung.

Gruseln seit 30 Jahren

Resident Evil war seit seiner Einführung 1996 vieles. Es begann als Survival-Horror-Serie mit Panzersteuerung, entwickelte sich eher zu einer Third-Person-Action-Serie, trieb diesen Fokus auf Action etwas zu weit (wobei auch Koop-Elemente hinzugefügt wurden) und kehrte dann zu seinen horrorzentrierten Wurzeln zurück, diesmal in der Ego-Perspektive. Veränderung war ein ebenso wichtiger Bestandteil von Resident Evil wie die ständig wachsende Gruppe von Protagonisten, wodurch jeder neue Teil auf seine eigene, einzigartige Weise heraussticht.

Die Serie hat also eine der komplexesten Geschichten aller großen Marken. Es existiert seit Jahrzehnten und hat sich mehrfach neu erfunden. Mit Resident Evil Requiem versucht es nun, mehrere Zielgruppen gleichzeitig anzusprechen.

Neue Handlung, neues Spielprinip

Für eine Spielereihe, die seit drei Jahrzehnten läuft, ist der vielleicht beeindruckendste Aspekt von Resident Evil Requiem die unglaublich fesselnde Handlung. Anstatt vor den wilden Wendungen zurückzuschrecken, die Resident Evil im Laufe der Jahre genommen hat, orientiert sich die Erzählung direkter an einigen ihrer verrücktesten Elemente. Das sorgt nicht nur für jede Menge Spaß, sondern Capcom schafft es auch, die Geschichte um ihre beiden Hauptfiguren herum zu verankern

Mit den Horror-Abschnitten um Grace und den actionreichen Sequenzen um Leon sprengt das Spiel in vielerlei Hinsicht die Genregrenzen. Zum Glück ist es am Ende aber ein voller Erfolg.

Es ist ein heikles Gleichgewicht, das Survival-Horror-Spiele seit Jahren nur schwer finden, und die Resident Evil-Reihe ist dafür der beste Beweis. Von den dunklen Hallen der Arklay-Villa und der unheimlichen Atmosphäre des RPD in den früheren RE-Spielen bis hin zur Action mit Felsbrocken und Zombie-Suplexen in den mittleren Jahren der Reihe befindet man sich nun an einem Scheideweg, an dem selbst Capcom nicht weiß, welchen Weg es einschlagen soll – also ging es irgendwie in beide Richtungen.

Neues Gesicht und alter Bekannter

Resident Evil Requiem ist der neunte Hauptteil der Reihe und zugleich ein nervenaufreibender Überlebenskampf und eines der meist herbeigesehnten Actionspiele des Jahres 2026. Die Aufteilung ist dabei klar: Zwar wechselt man in Resident Evil Requiem mehrmals zwischen den Protagonisten Leon und Grace, doch ist deutlich, dass die erste Hälfte bewusst nervenaufreibend gestaltet ist, während man in der zweiten Hälfte die Gegner, die einem Probleme bereitet haben, so richtig plattmachen kann.

© Capcom
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Die Geschichte nach 30 Jahren

Fast 30 Jahre nach dem Vorfall in Raccoon City sind mehrere Überlebende verschwunden oder unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen. FBI-Ermittlerin Grace Ashcroft übernimmt den Fall und merkt schnell, dass sie – dank ihrer Mutter, Alyssa Ashcroft aus Resident Evil: Outbreak – tiefer in die Sache verstrickt ist, als ihr selbst bewusst ist.Grace Ashcroft, die neue Protagonistin in Requiem, ist eine der faszinierendsten Figuren, die Capcom je erschaffen hat. Ihre Bedeutung für die Ereignisse in Requiem ist größtenteils geheimnisumwoben, was den Spieler immer wieder dazu anspornt, weiterzuspielen und die nächste wichtige Zwischensequenz zu erreichen, um mehr über sie zu erfahren.

Bei ihren Nachforschungen im zerstörten Wrenwood Hotel trifft Grace auf Dr. Victor Gideon und wird in eine Welt des Grauens hineingezogen, auf die sie nicht vorbereitet ist.

Das Rhodes Hill Care Center ist ganz offensichtlich von der Polizeistation aus Resident Evil 2 inspiriert und dient seit Jahren als Versuchseinrichtung von Umbrella. Der leitende Forscher Dr. Gideon tritt dabei in die Fußstapfen des verstorbenen Umbrella-Gründers Oswell E. Spencer. Als Dr. Gideon Grace findet und Leon dicht hinter ihr entdeckt, leitet er die letzte Phase des Care Centers ein und infiziert Personal und Patienten mit einem Virus, der sie innerhalb kürzester Zeit in bekannte Zombies verwandelt.

Als Grace endlich frei ist, ist die Anlage bereits von Monstern überrannt. Sie muss jeden Gang kartieren, um den Ausgang zu finden. Im Westflügel treibt ein Zombie-Koch sein Unwesen, im Ostflügel ein aufgeblähtes Monster, und eine mysteriöse Kreatur beobachtet sie ständig. Grace muss all diese Herausforderungen meistern und dabei – genau wie in Resident Evil 2 – mit ihrem begrenzten Inventar und einer Item-Box jonglieren.

Bald tauchen auch andere Überlebende von Raccoon City auf, allen voran Leon, der sich auf die Suche nach Antworten macht. Leon ist Vater. Früher war er dar Babyboy, und jetzt ist er Papa. Unglaublich, oder? Den Charakterdesignern ist es so gelungen, einen charmanten und lässigen Leon zu erschaffen.

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Spielt man als Leon, ist Resident Evil Requiem deutlich linearer und actionorientierter. Manchmal erkundet man Gebiete, die Grace bereits durchquert hat, doch Grace hat die Rätsel bereits gelöst und die Türen geöffnet, die man braucht, um die restlichen Monster zu vernichten. Später kehrt Leon nach Raccoon City zurück, um Ressourcen zu sammeln und sein umfangreiches Arsenal im Aktenkoffer aufzurüsten. So kann er sich wichtige Gegenstände sichern und gleichzeitig jeden Angriff abwehren, der ihm begegnet – genau wie in Resident Evil 4.

Leon durchläuft, da er sich mit einem mysteriösen Virus infiziert hat, den er zu heilen versucht, eine Dringlichkeit, die eine größere Charakterentwicklung als in jedem anderen Spiel seit Resident Evil 2, hervor bringt, wodurch er mehr als nur ein gutaussehender Actionheld ist.

Das Beste aus Alt und Neu?

Doch genau da liegt das Problem. Thematisch ist Resident Evil: Requiem brillant und nutzt die Remakes von Resident Evil 2 und 4 gekonnt, um Leons Entwicklung vom naiven Anfänger zum selbstbewussten Agenten und schließlich quasi Captain America darzustellen. Er ist eine schlagfertige, charismatische Naturgewalt, die mit ihrer neuen Axt jeden Zombie im Handumdrehen erledigt. Die Axt verleiht Leon einen brutalen, Survival-artigen Touch, ganz anders als die taktischen Einsatzmöglichkeiten der Kampfmesser aus RE4.

Als eigenständiges Spiel, als eigenständiger Beitrag zum Hauptteil der Resident Evil-Reihe, wirkt es eher wie ein remastertes Best-of-Album. Das Rhodes Hill Care Center ist ein wirklich fantastischer Ort zum Herumschleichen und Erkunden und gehört vielleicht sogar zu den fünf besten Resident Evil-Schauplätzen überhaupt. Es ist jedoch stark vom Polizeirevier in RE2 inspiriert, das womöglich der beste Schauplatz der gesamten Reihe ist. Auch Leons Axtparade und sein großes Waffenarsenal sind großartig, aber das liegt daran, dass sie im Grunde auch die besten Aspekte von Resident Evil 4 sind.

In gewisser Hinsicht ist es eine großartige Hommage an alles, was Resident Evil bisher ausgemacht hat – pünktlich zum 30. Jubiläum. Andererseits wirkt es wie ein Aufguss, der seinen Vorbildern nicht gerecht wird. Resident Evil: Requiem besteht im wahrsten Sinne des Wortes aus zwei Hälften, und obwohl die Geschichte stimmiger ist als beispielsweise in Resident Evil 6, wirken die beiden unterschiedlichen Spielstile und Protagonisten manchmal etwas unharmonisch.

Die titelgebende Waffe, das Requiem, ist dafür das perfekte Beispiel. Graces Erkundung des Pflegezentrums ist der Höhepunkt von Resident Evil: Requiem und der Moment, in dem die Nerven am meisten strapaziert werden. Doch sie erhält sofort Leons Requiem, das im Grunde wie eine Magnum funktioniert und die lästigsten Gegner einfach ausschalten kann.

Solange man seine Munition nicht sinnlos verschwendet, fungiert das Requiem als eine Art „Freifahrtschein“ und ermöglicht es, jeder unangenehmen Situation sofort zu entkommen. Es im gesamten Versorgungszentrum in Graces Inventar zu haben, könnte in einem Abschnitt, der eigentlich intensiv sein soll und in dem der Spieler inmitten der Schrecken ums Überleben kämpfen muss, zu viel Trost spenden.

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Spielerisch bedient sich Resident Evil Requiem Elementen aus allen Vorgängern der Reihe. Die Sequenzen mit Leon erinnern, wie schon gesagt, ein wenig an Resident Evil 4 (oder sogar RE6), während Graces Abschnitte eher an RE2 oder RE7 erinnern. Diese Vielfalt an Spielstilen sorgt dafür, dass sich Requiem stets frisch anfühlt, da es gekonnt zwischen Horror und Action wechselt und beiden gleichermaßen Aufmerksamkeit schenkt.

Alte Ansich gegen neue Ansicht

Die Möglichkeit, zwischen der Third-Person- und der First-Person-Perspektive zu wählen, ist ebenfalls ein genialer Schachzug, da sich keine der beiden Optionen wie eine voreingestellte Standardeinstellung anfühlt.

Zombies mit Leon zu erschießen, zu treten und in die Luft zu jagen, macht in Requiem so viel Spaß (und ist genauso blutig) wie eh und je. Doch was seine Kampagnenabschnitte noch besser macht, sind einige der von Capcom inszenierten Höhepunkte. Diese Sequenzen wirken eher wie Szenen aus einem Naughty-Dog-Spiel als aus einem Resident-Evil-Titel und verleihen Requiem eine größere Dimension als fast jedem anderen Spiel der Reihe.

Capcom scheint damit die Wahrnehmung dessen, was ein Resident-Evil-Spiel sein kann, verändern zu wollen, und man kann sich nur  wünschen, dass die Reihe in Zukunft mehr in diese Richtung geht, solange sie es nicht übertreibt.

Altbewährt und immer gut

Was Resident Evil Requiem durchweg auszeichnet, ist das Leveldesign. Capcoms Fähigkeit, eng miteinander verbundene, immer wieder erkundbare Level zu erschaffen, kommt in Requiem voll zum Tragen. Besonders in Graces Kampagne werden diese Gebiete durch die Monster, die einen unentwegt durch die Korridore verfolgen, noch besser. Dadurch bleibt die Spannung konstant hoch, während man gleichzeitig versucht, das nächste große Rätsel zu lösen. Das ist zwar nicht unbedingt etwas Neues für das Resident-Evil-Konzept, aber Capcom setzt es hier wieder einmal hervorragend um.

Der Hersteller zeigt sich bei einigen der im mittleren Spielverlauf erkundbaren Gebiete etwas experimenteller. Obwohl es sich keineswegs um eine offene Welt handelt, vergrößert Requiem den Umfang im Vergleich zu den ersten Spielstunden erheblich. Dadurch wird das Zurückkehren zu bereits besuchten Orten zwar etwas schwieriger, aber es ermöglicht auch mehr Kreativität bei den Kämpfen. Das sorgt für eine willkommene Abwechslung und verhindert, dass sich Requiem während seiner 10 bis 12 Stunden Spielzeit eintönig anfühlt.

Was die Gegner angeht, ist dies ein Bereich, in dem Requiem etwas enttäuscht. Viele der häufigsten Zombies tauchen ständig auf, was die Kämpfe mitunter etwas eintönig wirken lässt. Auch die Bosse sind, ohne zu viel zu verraten, nicht so kreativ, wie sie sein könnten, und daher recht schnell wieder vergessen. Beides schmälert zwar nicht den Gesamteindruck von Resident Evil Requiem, aber es ist definitiv etwas, das in zukünftigen Teilen verbessert werden kann.

© Capcom
Nicht altbacken, sondern State of the Art

Es ist mittlerweile keine Überraschung mehr, dass die RE Engine, die Spiel-Engine, die Capcom in den letzten zehn Jahren für unzählige Projekte eingesetzt hat, exzellent ist. Überraschend ist jedoch, dass der Entwickler immer wieder Wege findet, noch mehr aus ihr herauszuholen.

Es wurde hier Resident Evil Requiem auf einer PS5 Pro gespielt und die Grafik kann absolut absolut begeistern.  Zwar gab es hin und wieder ein paar visuelle Ungereimtheiten, aber die Grafikqualität und die Beleuchtung in Requiem gehören zum Besten, was man in dieser Konsolengeneration gesehen hat. Besonders das Raytracing ist wahrscheinlich das Beste, was man je in einem Videospiel erlebt hat, und hat den Wert dieser Funktion deutlich vor Augen geführt.

30 Jahre Resident Evil: Ist Requiem ein würdiger Vertreter dafür?
  • Grafik
  • Sound
  • Wiederspielwert
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Resident Evil Requiem: Ist das der ultimative Höhepunkt der Reihe?

Aus Spoilergründen wird hier nicht weiter darauf eingehen, aber Resident Evil Requiem steigert sich in den letzten Spielstunden mit einigen fantastischen Schlussszenen.

Wenn doch nur die Gesamtgeschichte, die diese Ereignisse umgibt, mehr Wirkung hätte! Die Story des Spiels ist überraschend zahm, wenn man bedenkt, dass sie Raccoon City und einige der beliebtesten Orte der Fans zurückbringt. Man ist zwar anfangs gefesselt, aber am Ende bleiben die übergreifende Handlung und die Enthüllungen hinter den Erwartungen zurück.

Optisch ist es atemberaubend: Dies ist die bisher beste Leistung der RE Engine und präsentiert ein wunderschönes Spiel von Capcom, das sowohl in den Zwischensequenzen als auch im Gameplay beeindruckt.

Capcom hat wieder einmal ein wunderschönes und detailreiches Resident Evil abgeliefert, das aber nicht ganz zu den allerbesten gehört.

Für Resident-Fans sowieso ein Muss. Eingeschränkt empfehlenswert.

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