Ab Januar 2028 wird Sony keine physischen Datenträger mehr für neue PlayStation-Spiele produzieren.

Erst vor wenigen Tagen äußerten Fans ihren Unmut über das Fehlen einer physischen Disc für Grand Theft Auto 6. Nun hat eine neue Ankündigung von PlayStation den physischen Datenträgern einen weiteren schweren Schlag versetzt.

Obwohl viele Gamer mittlerweile auf digitale Spiele umgestiegen sind, bevorzugen manche nach wie vor physische Kopien ihrer Spiele. PlayStation selbst hat kürzlich einige digitale Medien aus den Bibliotheken der Kunden entfernt und damit verdeutlicht, dass man etwas nicht wirklich besitzt, wenn man nur eine digitale Lizenz hat (wir berichteten).

Sony hat angekündigt, dass PlayStation ab Januar 2028 ausschließlich digital vertrieben wird und die Produktion physischer Spiele-Discs eingestellt wird. Nach diesem Datum können neue Spiele nur noch digital im PlayStation Store und im Einzelhandel erworben werden.

Dies gilt für alle Spiele, die für PlayStation erscheinen, einschließlich Titel von Drittanbietern, nicht nur für Spiele von Sony Interactive Entertainment. Spiele, die vor Januar 2028 veröffentlicht werden oder bereits erschienen sind, sind davon nicht betroffen.

Sony kündigte in einem Beitrag im PlayStation Blog dies an:

„Da sich die Verbraucherpräferenzen und die gesamte Unterhaltungsindustrie immer mehr von physischen Datenträgern hin zu digitalen Formaten verlagern, wird die Produktion physischer Spielediscs für alle neuen Spiele, die auf PlayStation-Konsolen erscheinen, ab Januar 2028 eingestellt. Nach diesem Datum werden neue Spiele im PlayStation Store und im Einzelhandel nur noch in digitaler Form erhältlich sein.“

Im vergangenen Jahr machte der Vertrieb physischer Spiele lediglich drei Prozent der PlayStation-Einnahmen aus, und die Tatsache, dass die PS5 Pro 2024 ohne Laufwerk auf den Markt kam, deutete bereits deutlich auf Sonys zukünftige Ausrichtung hin.

Im Jahr 2013, als Sony mit PlayStation 4 erstmals vollständige Spiele zum Download anbot , betrug der Anteil digitaler Verkäufe laut Ampere-Daten lediglich 13 %. Die PlayStation 5 war Sonys erste Heimkonsole, die zunächst nur als digitale Version erschien. 2023 brachte das Unternehmen dann eine überarbeitete Konsole auf den Markt, die standardmäßig kein Disc-Laufwerk mehr besaß. Nutzer mussten ein Zusatzmodul erwerben, um physische Spiele nutzen zu können.

Laut Daten von Circana verfügen in den USA Ende Mai 2026 52 % der verkauften Xbox Series-Konsolen und 27 % der verkauften PlayStation 5-Konsolen über kein Disc-Laufwerk.

Die strategische Neuausrichtung hat keine Auswirkungen auf bereits veröffentlichte oder bis Januar 2028 geplante physische Spiele, doch die Folgen der Ankündigung sind enorm. Der Gebrauchtmarkt für Videospiele wird offensichtlich einen massiven Einbruch erleiden, wenn Nutzer ihre unerwünschten PS5-Spiele nicht mehr eintauschen können. Auch der Einzelhandel dürfte negative Auswirkungen zu spüren bekommen.

„Wir werden unsere Ressourcen weiterhin darauf konzentrieren, Innovationen beim Zugang zu Spielen voranzutreiben und Spielern die Wahl zu lassen, wo sie neue Spiele kaufen möchten – ob im Einzelhandel oder im PlayStation Store“, so Sony abschließend. „Wir sind weiterhin bestrebt, unseren Fans ein erstklassiges Spielerlebnis zu bieten und danken Ihnen für Ihre anhaltende Unterstützung.“

Laut Ampere-Analyst Piers Harding-Rolls könnte eine rein digitale PlayStation der gesamten Branche zugutekommen.

„Wenn es eine Möglichkeit gibt, den Spielehandel zu optimieren, halte ich das im Allgemeinen für gut für die Branche, da dadurch unnötige Kosten entfallen“, sagte er. „Das wird dazu beitragen, den Margendruck aus anderen Bereichen – beispielsweise Entwicklungs- und Personalkosten – auszugleichen.“

Daniel Ahmad von Nico Partners merkte jedoch an , dass ungeachtet des steigenden Anteils digitaler Verkäufe

„[…] die Entscheidung, die Produktion physischer Datenträger an diesem Punkt einzustellen, eine rein plattformgetriebene Entscheidung ist, die darauf abzielt, die Kosten für Sony zu senken, den Wiederverkaufs-/Gebrauchtmarkt zu eliminieren und 100 % des Umsatzes über den PlayStation Store zu generieren.“

Es war bereits absehbar, als Rockstar ankündigte, bei GTA 6 auf Discs zu verzichten, und die heutige Nachricht lässt alle Hoffnungen auf einen Einzelfall verstummen. Physische Datenträger mögen zwar für Konsumenten und Sammler von Vorteil sein, doch die Kostenvorteile eines rein digitalen Modells für Unternehmen wie Sony liegen auf der Hand. Xbox verabschiedet sich schon seit Längerem von physischen Datenträgern, und selbst Nintendo, nach wie vor Marktführer im Bereich physischer Spiele, scheint Kunden mit vergleichsweise  günstigeren Preisen und Spielcartridges, die nicht das gesamte Spiel enthalten, in Richtung digitaler Versionen zu lenken.

Sony setzt also voll auf eine digitale Zukunft und streicht alles Überflüssige. Dies deckt sich mit den jüngsten Aussagen zur PS6, in denen das Unternehmen bereits signalisierte, die Kosten genau im Blick zu behalten. Produktion und Vertrieb physischer Datenträger sind genau die Kosten, die Sony einsparen möchte.